Seidenstraße durch Gletscherschmelze bedroht

Chinesisches Tor zum historischen Handelsweg überflutet.

Der Zugang zur historischen Seidenstraße in China ist bald nicht mehr passierbar. Nach Untersuchungen des Geologen Chi-Yuen Wang von der University of California in Berkeley werden schmelzende Gletscher den so genannten Hexi-Korridor zwischen den Qilian-Bergen und den niedrigen Hügeln der Wüste Gobi überfluten.

Das Schicksal droht aber auch anderen Trockenregionen, die nahe an Gletschern liegen. Die schmelzenden Gletscher werden zu großräumigen Überschwemmungen und anschließend zu noch stärkerer Trockenheit führen, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe.

„Die Region ist extrem trocken. Die mittlere Niederschlagsmenge beträgt jährlich etwa 125 Millimeter“, so Wang, der auch als Hydrologe tätig ist. Der Wassermangel war in den vergangenen Jahren ein geringeres Problem als in den Jahren zuvor. Obwohl Bewässerung den Grundwasserspiegel im 20. Jahrhundert deutlich gesenkt hatte, begann dieser 2003 erneut zu steigen.

Seit 2005 ist es regelmäßig zu Überschwemmungen gekommen. Bei Isotopen-Untersuchungen des Brunnenwassers konnte der Forscher gemeinsam mit seinem Kollegen Jian Sheng Chen vom Hydrologie-Laboratorium der Hohai Universität in Nanjing feststellen, dass der Großteil des dazugekommenen Wassers aus den geschmolzenen Gletschern der Umgebung stammte. Dieses hat sich mit dem Wasser der zyklischen Regenfälle, die aus der Verdunstung der Bewässerungssysteme entstanden war, gemischt.

Die Tatsache, dass sich die Niederschlagsmenge in höheren Lagen allerdings kaum erhöht hat, lege den Schluss nahe, dass das Wasser fast ausschließlich aus der Gletscherschmelze stammt. Die Temperaturen in den Qilian-Bergen sind seit den 1980er Jahren um jährlich 0,04 Grad Celsius gestiegen. Die Gletscher sind an manchen Stellen um bis zu sieben Meter während eines Jahres zurückgegangen. Schmelzender Permafrost erleichtert das Eindringen ins Grundwasser und offensichtlich auch die Vermengung mit dem Quellwasser. Bei den Quellen handelt es sich um Oasen. Bewässerungssysteme haben den Hexi-Korridor zu einer Brotkammer der Region werden lassen. Insgesamt 26 Mio. Menschen leben hier – und alle sind von den Brunnen abhängig.

In den zwei Städten Zhangye und Jiuquan hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Überschwemmungen gegeben – am schlimmsten waren sie im Winter als der Grundwasserspiegel stieg und kein Wasser für die Bewässerungssysteme abgezapft wurde. Die Forscher rechnen damit, dass bis 2050 die Gletscher rund um den Korridor verschwunden sein werden.

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